Wer noch verreisen kann …

erstellt am: 25.02.2021 | Kategorie(n): Allgemein |

Ein männlicher Briefmark
von Joachim Ringelnatz

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt
Da war die Liebe in ihm erweckt.
Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens,
Das ist die Tragik des Lebens.

Tipp: Christoph Cech spielt sein Beethoven-Projekt in der Sargfabrik am 1. und 2. März 2021 – zu sehen im Videostream. Wer will: Sargfabrik.at, Beethoven Pocket-Orchestra. 

Reif für die Insel?!

Homeoffice, Homeworking, Teletrabajo. Die Kanaren wollen jetzt unbedingt zahlungskräftige, unabhängige „remote-worker“ anlocken. Junge Menschen, die ihren laptop zuklappen und dann ins Meer hüpfen, werden gerne in den Nachrichten gezeigt …
Auf diesen Zug ist auch „Der Spiegel“ aufgesprungen. War da mal wieder eine Pressereise? Ein unreflektierter Artikel, der alle Klischees abfeiert – muss das sein? Es geht – mal wieder – um La Gomera. „Ich hab null schlechtes Gewissen“. Deutsche auf La Gomera. Von Claus Hecking.  Am 17.2.2021 im Spiegel (online) zu lesen. „Corona-Flüchtlinge“, natürlich im Valle Gran Rey, wo sonst (der Rest der Insel scheint nicht zu exisitieren). Bilder: Paar am Sandstrand. Oder Baum, blauer Himmel, Regenbogen, Meer, eine entspannte Yoga-Lehrerin. „Ich bin hier so frei. Am liebsten würde ich für immer so leben wie jetzt“. Ich glaube, hier liegt eine Verwechslung vor, lieber Dr. Claus Hecking …

Was halten wir davon?

„… erhielt ein Polizist Verletzungen“ … (gehört im Radio).
Ich weiß nicht, mein Gehirn belegt das Wort „erhalten“ mit einem Geschenk, beispielsweise, oder mit Post. Mit einer Art von Übergabe, aber auf keinen Fall mit einer aggressiven Aktion.
Ich verstehe schon: Wenn man das Subjekt im Satz nicht nennen will (wer hat wen verletzt?), wendet man das Passiv an. Manchmal als Vermeidungstrick: „wurde ein Polizist verletzt“ – klingt das jetzt auch schon zu gewalttätig, als dass man das abmildern müsste?

„Vergangenes kann man nicht ändern, aber man kann sich ändern – für die Zukunft.“ Hans Fallada
und gleich noch eins:
„Alles, woran man glaubt, beginnt zu existieren.“ Ilse Aichinger. Hilfe!

Was ist der Goldman-Disclaimer?

„Nobody knows anything. Not one person in the entire motion picture field knows for a certainty what’s going to work. Every time out it’s a guess — and, if you’re lucky, an educated one.“
Nobody knows anything: der Goldman-Disclaimer. William Goldman, Drehbuch-/Autor.
Dazu:
„Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, keine Wahrheit“, sagte uns Marc Aurel.

Genug mit den Zitaten. Man könnte seine gesamte Meinung in Zitaten ausdrücken – oder?

back to sender …

Der ORF hat veröffentlicht, dass Österreich Plastik-Müll nach Malaysia verkauft hat. Das Blöde: Er kam jetzt zurück. 100 Tonnen Müll (von ursprünglich über 700 Tonnen – wo ist der Rest???). Belasteter Müll, der schwer bzw. bei unseren Auflagen teuer zu entsorgen ist? Wird derzeit analysiert.
„Gerade aus Malaysia kennen wir viele Beispiele, wo die Verarbeitung oder Deponierung von importiertem Müll Menschen krank macht und Meere, Flüsse und die Natur verschmutzt,“ meint Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich.

Natürlich ist Geld im Spiel. Viel Geld. Und viele Subunternehmer. Das Geschäft mit dem Müll floriert. Alles, was man glaubt weit weg von den Industrienationen auf der Erde entsorgen zu können, taucht irgendwo wieder auf. Klar. Meist nicht direkt am Versandort wie in diesem Fall (haha), sondern in anderer Form (Klimawandel, Feinstaub usw.). Der naive Glaube, dass der Dreck weg ist, scheint im Erwachsenenalter nicht aufzuhören. Aus den Augen, aus dem Sinn. So wie Kinder glauben, dass man sie nicht sieht, wenn sie die Augen zumachen. Meine Mutter hätte gesagt: „Das Haus verliert nichts.“ Und selbst wenn wir die Müllhalde auf den Mars ausweiten …

Tote Künstler.

Hans Staudacher und Arik Brauer sind tot. Jeder auf seine Art herausragende Künstler. Und beide alt geworden. Schön.