Ich Ich und Ich.

erstellt am: 29.06.2022 | Kategorie(n): Aktuelles, Allgemein |

Autoficción (Wie heißt eigentlich der deutsche Ausdruck dafür? Um Himmels Willen!) ist gerade modern. Eine Mischung aus Biografie und Roman, Selbstbekenntnis und Literatur, Realität und Erfindung. In der ersten Person geschrieben, dem Ich-Erzähler. Da manche LeserInnen  sowieso Autor (das wahre Leben) und Erzähler (die Figur im Roman) verwechseln und immer wissen wollen, was davon „wahr“ ist, also wirklich geschehen, scheint es nur konsequent, dass man gleich alles in einen Topf wirft. Wo ist denn die Grenze? Schließlich muss alles, was einmal aufgeschrieben ist, durch den Kopf dessen/derjenigen gegangen sein, der/die es hinschreibt.

Ich-Literatur. Krasses Beispiel für Ich Ich Ich: der Norweger Karl Ove Knausgård. (Meiner Meinung nach völlig langweilig und uninteressant, ich gestehe aber, mich nur durch einen Band gequält zu haben).

Laut El País (4.6.22, memorias del malestar) nimmt die Literatur zu, in der SchriftstellerInnen über ihre psychischen Probleme schreiben: Ticks, Panikattacken, Depressionen, Angst vor „Verrückt-Sein“, was immer. Jetzt, nachdem mit der Pandemie mentale Auffälligkeiten (ich nenne es jetzt mal so) zugenommen haben, wird auch langsam das Tabu geknackt, darüber zu sprechen. Und es scheint die schreibende Zunft zu sein, die das Schweigen bricht und die Psyche thematisiert. In der Literatur, „autoficción“.

Bewusst sein …?

Ein bisschen von der Spur muss man schon sein, um eine Geschichte zu erfinden. Das „Unkraut im Hirn“ sprießt sowieso, vermutlich bei jedem. Ich glaube nicht, dass sich das Hirn von Schriftstellern wesentlich von anderen unterscheidet, auch wenn Rosa Montero in ihrem Buch (El peligro de estar cuerda, Seix Barral, 2022) davon spricht, dass gerade Schriftsteller suizidgefährdet seien (sie nennt viele Beispiele und belegt das auch mit Zahlen!) und kreative Menschen anders ticken. Das „glaube“ ich nicht. Ich denke, sie „notieren“ nur eher das seltsame Pflänzchen, das zwischen dem Unkraut in unserem Gehirn herumsteht und denken dann Sätze wie: „Warum sind Haare auf dem Kopf schön und in der Suppe eklig?“ Nichts Aufregendes. SchriftstellerInnen holen das Unbewusste ins Bewusstsein – und das ist häufig hochgradig beunruhigend, wenn man es nicht verarbeitet.  (Von der Angst vor dem Tod oder dem Sinn des Lebens fange ich jetzt nicht an, das würde dauern …) Ich nehme an, Schwachsinn denkt jede/r, absurde (ich nenne es jetzt mal schmeichelhaft so) Gedanken ebenso – nur Schrifsteller lauschen eben ständig, sind dauernd auf der Suche nach „Stoff“. Tödlich.

Sie (Rosa Montero) spricht auch häufig von Begeisterung (möchte fast sagen Leidenschaft), dazu mein Kalenderspruch (haha):

„Die Welt gehört dem Enthusiasten, der die Ruhe behält.“

William McFee (english writer of sea-stories, born 1881, died 1966).

Sag mir, wo die Leute sind …

Wo sind siiieee gebliiiehiieben?

  • Bei Festivals und Konzerten fehlt das Security-Personal. Absagen.
  • Flüge werden gestrichen, weil Leute fehlen. Kofferkontrolle, StewardEssen, Bodenpersonal. Bei der AUA grassiert Corona.
  • Im Tourismus fehlen die KellnerInnen (Köche fehlen ja immer) und die Zimmermädchen (was für eine Bezeichnung! „Zimmerherrchen“).
  • Im kaputtgesparten Gesundheitswesen fehlt sowieso alles:  Krankenschwestern (s.o. „Krankenbrüder“), Pfleger, Ärzte … ganz zu schweigen von den Pflegeheimen.
  • usw. usw. usw.

Keine Ahnung. Sitzen die alle zuhause mit dem Virus? Sind auf eine  Insel ausgewandert, leben in einer Landkommune, bauen Biogemüse an und machen remote-working? Oder haben sich umschulen lassen auf Yoga- und Pilates-Lehrer bzw. LebensberaterIn?

Ich wundere mich. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Es gibt weniger Menschen, die arbeiten, aber keine Arbeitslosen. Sind die alle weggestorben? Wer erklärt mir denn bitte mal die Zusammenhänge?

Alles wird knapp, geht aus, hängt in Containern fest, kommt nicht an. Getreide für die Welt fehlt, Wege sind verstopft, nicht nur die Atemwege.
In Österreich gehen die Zigaretten aus. Lieferengpässe bei Philip Morris. Und natürlich wird alles teurer. Wobei sich, wie ich gelesen habe, der Trend schon wieder umkehrt – in den USA. Dort ist der Holzpreis um 50% gefallen. Mal sehen, wie es hier in der alten Welt weitergeht und ob sie morgen noch steht …

Halt doch mal die Schnauze!