Ich habe in meinen Unterlagen gegraben. Ein Text aus dem Jahre 2005.
Wien, 15. Bezirk. Angeblich Arbeiterbezirk (oder früher?), rot.
Zwei ältere Frauen auf einer Bank, vermutlich Pensionistinnen, plaudern:
„Viele Leute unterwegs. Heute ist Wahl. Da gehen die Leute raus. Ich gehe ja schon lange nicht mehr wählen. Ach ja, der Haider hätte mir gefallen. Wegen der Ausländer. Aber die jetzt. Die sind ja nicht mehr das. Das hab ich denen auch gesagt, am Stand.
Da hat der gemeint: Was würden Sie sich denn wünschen?
Ich … wünschen würde ich mir, dass es die alten Geschäfte wieder gibt. Kein Fleischhauer weit und breit. Und kein Geschirrgeschäft. Man kann sich nicht einmal mehr ein Häferl kaufen, keinen Knopf, Nähzubehör, keine Wäsche.
Doch doch, Knöpfe können Sie kaufen, in der Hütteldorferstraße. –
Ach was! Da ist doch ein Ausländer drin! Da geh ich nicht rein. Das hab ich ihm auch gesagt, dass im Gemeindebau von 50 Parteien nur noch 6 Österreicher drin sind. Das ist doch eine Schande.
Was sagen Sie denn zu unserem Grasser?
Ja, ja heiraten – aber das heißt auch nicht, dass sie nicht geschieden werden. Aber das vorher – das mit der Schmuserei. Immer die Schmuserei.
Ja, das mag ich auch nicht. Auch in den Filmen. Immer diese dauernde Schmuserei. Da schalt ich weg.
Dann kommt noch Uschi Glas, wie man jung aussieht und ob man vor der katholischen Kirche auch als Geschiedene den Segen bekommt.“
Ich gehe. Ich bin ja Ausländer und habe die El País in der Hand.


Was ist das? Vergessenes Bier im Tiefkühler. Alkoholfrei.
Ich schwöre, ich habe versucht, die Bilder kleiner zu machen – keine Chance.
Noch ein paar Kalendersprüche als Lebensweisheiten gefällig?
Für angenehme Erinnerungen muss man im Voraus sorgen. Paul Hörbiger