Not Picasso

Mike Bidlo 1984 „Not Picasso“

Las señoritas de Aviñón (1907), Les demmoiselles d’Avignon, das Original von Picasso, gilt als Initialwerk des Kubismus. Es hängt im MoMA in New York.
Das erste Mal 1908 ausgestellt (bei Daniel-Henry Kahnweiler) in Paris, unfertig, dauerte es eine Weile, bis Mode-Designer („modista“/Schneider) Jacques Doucet das Bild kaufte. Für 25.000 Francs. Lächerlich.
Es geht das Gerücht, dass Doucet gefragt hat, ob er das Bild günstiger haben könne, es sei so hässlich. Man tat sich wohl schwer mit dem Kubismus, zumindest kommerziell. (André Breton hat später das Werk gekauft …).

Das hier ist eine Kopie. Oder wie nennt man das, wenn einer bewusst ein Bild „kopiert“? Der Amerikaner Mike Bidlo hat es 1984 gemalt und „Not Picasso“ genannt. (Lest selbst).

Finde ich genial.

Bildlich gesprochen

Diesmal gibt es eine stumme Bildgeschichte.

Film-Tipp

Alle reden übers Wetter.
Ein sehr einfühlsamer und vielschichtiger Film von Annika Pinske, die bei dem Film „Toni Erdmann“ Regieassistenz gemacht hat. Gelungener Debütfilm. Pinske wurde in der Uckermark geboren. Die Protagonistin, gespielt von Anne Schäfer, kommt aus dem akademischen Milieu von Berlin in das Kaff ihrer Kindheit, um den Geburtstag ihrer Mutter zu feiern. MeckPomm. Ich hatte ein Déjà-vu. Selber anschauen, es wird nix gespoilert (wie das ja jetzt so schön heißt).

Das einfache Leben

Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben.

Das einfache Leben. Wie man sich das so vorstellt. Man sitzt irgendwo auf dem Land. Und alles wird einfach. Einfach so. Man fährt die Energie herunter, hat keine Termine, muss nirgendwohin. Man genießt die vermeintliche Natur, die weite Sicht, Sonnenauf- und untergänge, geht spazieren, was auch immer. Ja, man genießt sogar den fehlenden Luxus „Ich brauche nichts!“, keine Klimaanlage, keine Luxus-Kaffeemaschine, keine Putzfrau (naja, da wird’s vielleicht schon schwieriger). Hängt alles davon ab, wie lange man bleibt.

Kurze Ausflüge in das einfache Leben sind schön. Längere Ausflüge werden schon komplizierter. „Hier gibt’s ja gar nichts“. Und sollte man sich langfristig, ganz, für das „einfache Leben“ entscheiden, stellt man fest, dass das einfache Leben weder einfach noch leicht ist. Sondern sehr aufwändig, zäh und herausfordernd. Nur weil man im Supermarkt nicht aus 100 Joghurts auswählen kann/muss, wird das Leben nicht einfacher. Oder zumindest nicht viel. Diese Erkenntnis stellt sich jedoch erst nach geraumer Zeit ein.

Die zweite Seite der Medaille sieht man erst, wenn man sie umdreht. Das kann eine Weile dauern, weil man sich an der glänzenden Seite vorerst nicht sattsehen kann. Doch dann passiert es. Und man bemerkt es. Da ist noch was. Und besser: Da ist nichts. Keine U-Bahn, die alle paar Minuten fährt. Kein Supermarkt am Eck. Keine Konditorei, keine frischen Brötchen in der Früh. Keine Post, keine Bank, kein Kino, kein Theater. Wenn man besonderes Pech hat, kein WLAN. Keine Radwege.

Ja, man hat etwas eingetauscht. Die Hektik gegen die Langsamkeit (manchmal seeeehhhr langsam, alles). Die Überforderung gegen die Suche nach Anregungen. Die Freunde gegen Menschen, die anders ticken als man selbst. Die Oberflächlichkeit der Begegnungen weicht der Notwendigkeit zur Kommunikation.

Das neueste „Werk“ ist fertig …

Im einfachen Leben, weg von der Stadt, ist der Schlüssel zum Überleben das Sprechen. „Im Reden kommen die Leut’  z’amm“. Es sei denn, man ist Eremit oder soooo weit weg, dass man keine Menschenseele trifft – unwahrscheinlich. Es ist unabdingbar, mit den Leuten zu sprechen, die dort schon lange wohnen. Und nicht nur mit den „Zugereisten“, den „Stadtflüchtlingen“, mit denen, die so drauf sind wie wir.

Und dann wühlt man sich durch die Vorurteile, Gerüchte, durch die skeptischen Blicke. Seltsamerweise leben an den idyllischsten Orten die merkwürdigsten Menschen mit den seltsamsten Ansichten. Je nachdem, wo man gelandet ist – und ob Berge rundherum sind – hat man vielleicht Glück und findet ein paar offene Gemüter, die einem weiterhelfen. Hat man mal angedockt, geht es nach und nach voran. Und ja, tatsächlich: Die Eingeborenen werden freundlicher, teils richtig herzlich, lächeln. In  bestimmten Gegenden lebt noch die alte Tradition, dass sich die Leute auf der Straße grüßen. Ohne Grund! Niemand vermutet etwas dahiner … Man bleibt sogar stehen und wechselt ein paar sinnlose Worte.

Das benötigt allerdings Zeit. Eine Menge Zeit. Und Geduld. Viel Geduld. Dann kann es passieren, dass der Handwerker für eine Kleinigkeit kein Geld will, man in der Kneipe eine Tüte/Sackerl Pflaumen geschenkt bekommt oder beim Spazierengehen vom Weinbergbesitzer auf ein Glas eingeladen wird. Es passiert das, was wir vielleicht früher als normal angesehen hätten. Die Menschen sind menschlicher (ich hätte nicht gedacht, dass dieser Satz irgendwann mal einen Sinn ergibt).

Und ja – das wiegt alles auf, was manche vielleicht als Mangel empfinden. Wir sehen das, was da ist und nicht das, was wir nicht haben (können). Die Schönheit der kleinen Dinge, die Schätze, die vor unseren Füßen liegen. Wie immer sie aussehen mögen. Und den Achtsamkeitskurs schenken wir uns.
ZP Juli/August 2022

Zitat dazu von Klaus Löwitsch:
Zum Glück gehört, dass man irgendwann beschließt, zufrieden zu sein.

Und noch eins, von Joan Collins (!):
Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus.

Und was die Kommunikation angeht, wusste schon Wilhelm von Humboldt:
Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.
Verbinden wir uns. Anstatt uns zu bekriegen.

History

Das Leben rückwärts sortieren. Geht nicht. Zeitfresser. Ich habe beschlossen, nach vorne zu denken. Die Restzeit zu nutzen anstatt sie mit Doku vergangener Zeiten zu verplempern. Ist natürlich falsch. Mit „Geschichte“ verplempert man keine Zeit. Menschen, die versuchen alles mögliche (eigentlich ja nur Vergangenes, schließlich ist die Gegenwart schon vorbei, wenn ich das denke) in Bezug auf sich selbst, zur Welt, zu den anderen und zur Umgebung zu setzen, also wohl ich, haben ständig (mehr) zu tun. Die Vernetzung spinnt einen ein in ein immer dichter werdendes Gewebe (ich sage jetzt nicht „komplex“) – bis man nicht mehr durchblickt. Also ich. Ich scheue mich, mich in die Reihe der gerade modernen „Ich-Autoren“ (haha, habe ich Autor gesagt?) einzureihen, merke ich gerade. Ich merke aber auch, dass es fast nahezu unmöglich ist, eine andere Perspektive zu wählen.

Vertrackt

So, jetzt aber genug damit. Das war gerade eine vertrackte Einleitung (um nicht zu sagen, mich drumherum zu winden) für das, was jetzt kommt. Ein historisches „Gedicht“, wenn man es denn so nennen will, diese paar Zeilen. Das wirklich Merkwürdige daran ist, dass es aus dem Jahr 2008 stammt.
Den Reim darf man sich selbst drauf machen.

(Apropos, das Ding ist so gut wie original – also peinlich – die besonders peinlichen Stellen habe ich aber gehobelt, sorry. Es waren genau zwei. Man muss sich ja nicht noch mehr blamieren). Danke für das Verständnis.

Der Wald.
Ein Vorwurf.

Du hast mich lange nicht beachtet.
Und trotzdem war ich immer da.

Für dich bestand ich virtuell.
In Schlagzeilen der Zeitung, als der saure Regen kam.
Wer spricht heute noch davon?
Mein Überlebenswille funktioniert in aller Stille.

Du zogst das Licht der Städte vor.
Während mein buntes Herbstlaub heimlich strahlte.

Dort schätzt man geistige Getränke.
Und nicht den Geist, der nur im Märchen spukt.

Die Pilze, die auf meinem Boden wachsen,
selbst diese wurden ausgelagert. In eigene Kulturen.
Worte wie Halbwertzeit hinterlassen ihre Spuren.

Es wurden viele Äste abgesägt,
manchmal auch der, auf dem man saß.
Ich wurde oft genug verheizt,
das ließ dich alles völlig kalt.

Man stopfte mich mit Fichten voll, die kahlen Stellen zu kaschieren.
Ich litt an Käfern, Parasiten, Viren.
Ich weiß, die Zeiten ändern sich. Auch ich muss das kapieren.

Doch irgendwann wendete sich das Blatt.
Du hast die Stadt satt und kommst mich ab und an besuchen. 

Du siehst das frische Grün des Mooses,
du spürst das Laub unter den Füßen.
Du hörst die Vögel in den Bäumen
und isst von Beeren, die helle Wege säumen.
Es riecht nach Freiheit. Du nimmst ein Bad in meinen Armen.

Deine Gedanken lässt du fliegen, die Sinne in den Zweigen wiegen. 
Und plötzlich erkennst du mich in jedem Ding.
Im Papier. Im Pinsel. In den Formen. In den Farben.
Ich bin die Luft in deinen Lungen.
Mit jedem Atemzug bist du – dem Wald so nah.

© zimmer-pietz 23.10.2008 / 2022

Das lese ich gerade. Skulptur von Pedro Zamorano

Und dabei gibt es Dinge, die so schön sind, dass man weinen könnte:


Apropos Weinen. Meine Nachbarin spielt zwischen ihrer Humtatamusik ein neues Lied! Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Ich Ich und Ich.

Autoficción (Wie heißt eigentlich der deutsche Ausdruck dafür? Um Himmels Willen!) ist gerade modern. Eine Mischung aus Biografie und Roman, Selbstbekenntnis und Literatur, Realität und Erfindung. In der ersten Person geschrieben, dem Ich-Erzähler. Da manche LeserInnen  sowieso Autor (das wahre Leben) und Erzähler (die Figur im Roman) verwechseln und immer wissen wollen, was davon „wahr“ ist, also wirklich geschehen, scheint es nur konsequent, dass man gleich alles in einen Topf wirft. Wo ist denn die Grenze? Schließlich muss alles, was einmal aufgeschrieben ist, durch den Kopf dessen/derjenigen gegangen sein, der/die es hinschreibt.

Ich-Literatur. Krasses Beispiel für Ich Ich Ich: der Norweger Karl Ove Knausgård. (Meiner Meinung nach völlig langweilig und uninteressant, ich gestehe aber, mich nur durch einen Band gequält zu haben).

Laut El País (4.6.22, memorias del malestar) nimmt die Literatur zu, in der SchriftstellerInnen über ihre psychischen Probleme schreiben: Ticks, Panikattacken, Depressionen, Angst vor „Verrückt-Sein“, was immer. Jetzt, nachdem mit der Pandemie mentale Auffälligkeiten (ich nenne es jetzt mal so) zugenommen haben, wird auch langsam das Tabu geknackt, darüber zu sprechen. Und es scheint die schreibende Zunft zu sein, die das Schweigen bricht und die Psyche thematisiert. In der Literatur, „autoficción“.

Bewusst sein …?

Ein bisschen von der Spur muss man schon sein, um eine Geschichte zu erfinden. Das „Unkraut im Hirn“ sprießt sowieso, vermutlich bei jedem. Ich glaube nicht, dass sich das Hirn von Schriftstellern wesentlich von anderen unterscheidet, auch wenn Rosa Montero in ihrem Buch (El peligro de estar cuerda, Seix Barral, 2022) davon spricht, dass gerade Schriftsteller suizidgefährdet seien (sie nennt viele Beispiele und belegt das auch mit Zahlen!) und kreative Menschen anders ticken. Das „glaube“ ich nicht. Ich denke, sie „notieren“ nur eher das seltsame Pflänzchen, das zwischen dem Unkraut in unserem Gehirn herumsteht und denken dann Sätze wie: „Warum sind Haare auf dem Kopf schön und in der Suppe eklig?“ Nichts Aufregendes. SchriftstellerInnen holen das Unbewusste ins Bewusstsein – und das ist häufig hochgradig beunruhigend, wenn man es nicht verarbeitet.  (Von der Angst vor dem Tod oder dem Sinn des Lebens fange ich jetzt nicht an, das würde dauern …) Ich nehme an, Schwachsinn denkt jede/r, absurde (ich nenne es jetzt mal schmeichelhaft so) Gedanken ebenso – nur Schrifsteller lauschen eben ständig, sind dauernd auf der Suche nach „Stoff“. Tödlich.

Sie (Rosa Montero) spricht auch häufig von Begeisterung (möchte fast sagen Leidenschaft), dazu mein Kalenderspruch (haha):

„Die Welt gehört dem Enthusiasten, der die Ruhe behält.“

William McFee (english writer of sea-stories, born 1881, died 1966).

Sag mir, wo die Leute sind …

Wo sind siiieee gebliiiehiieben?

  • Bei Festivals und Konzerten fehlt das Security-Personal. Absagen.
  • Flüge werden gestrichen, weil Leute fehlen. Kofferkontrolle, StewardEssen, Bodenpersonal. Bei der AUA grassiert Corona.
  • Im Tourismus fehlen die KellnerInnen (Köche fehlen ja immer) und die Zimmermädchen (was für eine Bezeichnung! „Zimmerherrchen“).
  • Im kaputtgesparten Gesundheitswesen fehlt sowieso alles:  Krankenschwestern (s.o. „Krankenbrüder“), Pfleger, Ärzte … ganz zu schweigen von den Pflegeheimen.
  • usw. usw. usw.

Keine Ahnung. Sitzen die alle zuhause mit dem Virus? Sind auf eine  Insel ausgewandert, leben in einer Landkommune, bauen Biogemüse an und machen remote-working? Oder haben sich umschulen lassen auf Yoga- und Pilates-Lehrer bzw. LebensberaterIn?

Ich wundere mich. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Es gibt weniger Menschen, die arbeiten, aber keine Arbeitslosen. Sind die alle weggestorben? Wer erklärt mir denn bitte mal die Zusammenhänge?

Alles wird knapp, geht aus, hängt in Containern fest, kommt nicht an. Getreide für die Welt fehlt, Wege sind verstopft, nicht nur die Atemwege.
In Österreich gehen die Zigaretten aus. Lieferengpässe bei Philip Morris. Und natürlich wird alles teurer. Wobei sich, wie ich gelesen habe, der Trend schon wieder umkehrt – in den USA. Dort ist der Holzpreis um 50% gefallen. Mal sehen, wie es hier in der alten Welt weitergeht und ob sie morgen noch steht …

Halt doch mal die Schnauze!

Unkraut im Hirn

Schöner Ausdruck: „Unkraut im Hirn“. Stammt von der Arbeitspsychologin Warga-Hosseini. Das mit dem Vakuum im Kopf stimmt ja nicht. Nichtdenken kann man ja nicht, auch wenn es manchmal den Anschein hat. Unkraut im Kopf ist eher passend. Es schießen Gedanken ins Kraut, die für gar nix gut sind, außer das Vakuum zu kaschieren.

Herren

Warga-Hosseini: „Raus aus der negativen Gedankenspirale! Es wächst sozusagen automatisch Unkraut in unserem Gehirn, wenn wir keine Blumen pflanzen. Es ist daher wichtig, immer wieder neue Gedanken zu tanken, ein paar Seiten in einem Buch lesen, ein Hörbuch anhören. Immer wieder raus ist die Devise.“ (leider habe ich die Quelle vergessen, sorry).

Damen

Ende 2021 hatte die Cosco (China Ocean Shipping Company) bereits Anteile an 15 Häfen in Europa. © afp / Clement Mahoudeau

Hoffnung ist die Überwindung der Verzweiflung. Diesen Satz sagte die französische Philosophin Corine Pelluchon in einem Interview mit der El País am 15.5.22. Gefällt mir.

Dazu schnell noch ein Kalenderspruch:

Wie viel unbefangener man lebt, wenn man sich entscheidet, nicht etwas, sondern jemand zu sein.

Coco Chanel

Musikterror

Ich erinnere mich. In Vor-Walk-man(!)-Zeiten. Busfahrt von Deutschland nach Österreich, zum Skifahren. Ein paar junge Leute, zu denen ich zählte, eher mehr Mittelalterliche und natürlich ein nicht ganz junger Busfahrer. Nachtfahrt? Wieviele Stunden? Gefühlte Ewigkeit. Vor allem, weil der Busfahrer, um sich wachzuhalten, ständig Musik dudeln ließ. Kein Radio, weil sich die Frequenz ja alle paar Kilometer ändert, sondern Kassette. (Ich hoffe, die digital-natives können folgen). Musikkassette. Die Dinger, die sich nach  häufigem Gebrauch (deshalb traf es immer die Lieblingskassette) in ein unentwirrbares Knäuel verwandelt haben. Zum Wegwerfen. Kassetten kann man nachkaufen, aber manchmal hat man sich die Mühe gemacht, Sendungen im Radio „mitzuschneiden“, sprich: aufzunehmen. Und dann war das für immer futsch. So.

Zu dieser Sorte Musikliebhaber gehörten die Busfahrer meist nicht. Sie hatten Billig-Kassetten (warum eigentlich? Waren ihnen ihre Fahrgäste nicht mehr wert?), vielleicht durften sie auch aus rechtlichen Gründen keine Original-Kassetten abspielen – auf jeden Fall handelte es sich fast immer um die scheußlichste Musik, die man sich vorstellen kann (Schlager und Schlimmeres) und nicht etwa in ihrer Originalversion, sondern in billigen Coverversionen. Schlecht nachgesungen, schlecht gespielt, schlecht aufgenommen. Unerträglich.

Die gleiche Leier.

Ich habe eine Nachbarin. Die macht genau das. Sie spielt den ganzen heiteren Tag eine Humptata-Musik, täglich die gleiche, der gleiche Rhythmus, die gleiche miese Coverband, live (!) aufgenommen, mit scheußlichen Ansagen dazwischen. Während die Busfahrer immerhin ein diskretes Säuseln im Bus verursachten (was schlimm genug war, weil man ständig versucht war zu lauschen, um den Song zu erkennen – und das gottseidank mit Erfindung des walk-man ein Ende fand!), dreht meine Nachbarin die Musik bis zum Anschlag auf. Gut, ich hatte schon Nachbarn, die waren Paolo Conte Fans, das hörte man auch durch die Decke, oder spielten live Klavier, je nachdem, aber das hörte sich nach Musik an. Und Paolo Conte – immer gut. Das konnte ich aushalten, hat mich manchmal sogar amüsiert. Und es war nie zu einer Zeit, zu der ich selbst Radio hören wollte oder mich auf einen Text oder sonstwas konzentrieren musste.

DIESE Nachbarin hingegen sucht sich ausgerechnet die Zeit aus (vormittags), in der ich mich am besten konzentrieren kann. Und dann ist es aus. Ich bekomme so einen Zorn, dass ich nicht mehr klar denken kann. Es dröhnt überall, bis in die kleinste Ritze. Ohrstöpsel zwecklos, alles probiert, Kopfhörer. Dann bin ich mit Blümchen vor die Tür der DJ getreten und habe ihr erklärt, dass ich mich konzentrieren müsse und sie bitte, die Musik doch ein wenig leiser zu drehen. „Oh, gut, dass du mir das sagst, ich habe ja auch erst später angefangen, aus Rücksicht auf die Nachbarn, natürlich.“ Sprach’s, drehte die Musik leiser. Erholung. Das hielt genau eine Woche. Dann ging der Terror weiter. Ich leide. Ich gehe wieder hin, klopfe. Ich war schon zweimal wutschnaubend vor der Tür. Sie öffnet mir nicht mehr (vermutlich hört sie das Klingeln nicht wegen der lauten Musik). Ich verzweifele. Ich leide. Ich kann nicht lesen, nicht schreiben, nicht meine eigene Musik hören. Terror total. Stundenlang.

Menschen, die ich frage, was man da machen kann, geben mir kluge Tipps. Andere sagen: „Bei der ist alles zu spät, die ist zu blöd. Die ist so (laut)“ Tja. Meine anderen Nachbarn sagen nichts. Vielleicht finden die das gut. Was tun? Ich könnte mir einen Kopfhörer kaufen, der alle Geräusche unterdrückt. Für 250 Euro oder so. Oder mal eine Wagner-Oper in abartiger Lautstärke erschallen lassen. Oder wie Loriot sagen würde: „Eines Tages bring ich sie um.“
(Achtung Algorithmus: Nicht ernst gemeint)

Das ist Grau

„Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazubekommen
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.“

Heinrich Heine.

Immer wieder gut, Heine. Und nichtmal aus meinem Kalender. Aber natürlich gibt’s noch einen Kalenderspruch:

Ob eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob man eine Maus oder ein Mensch ist.

Max O’Rell. Franzose, seit 1903 tot. Eigentlich Léon Paul Blouet.
Vielen Dank! Habe ich noch gar nicht gewürdigt. Bin begeistert.

Alles geht vorbei …

Give peace a chance

Da fällt mir nichts mehr ein …

Leere

Was schreibt man, wenn das Hirn leer ist?

Gute Frage. Ich würde sagen: nichts. Weil man nur aufschreiben kann, was man vorher gedacht hat. Vielleicht kann das ja bald die künstliche Intelligenz.

Etwas aufzuschreiben ohne es vorher gedacht zu haben, geht (derweil noch) nicht. Aber etwas zu machen ohne nachzudenken, scheint überall gut zu funktionieren. Ich habe jetzt diesen Film, den mir alle ans Herz gelegt haben, (auf Netflix) gesehen: „Don´’t look up“. Regie: Adam McKay, mit Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Cate Blanchett. Eine böse Satire mit feinfühligen Details. Ich habe gelacht, gut gemacht.

Der Schrei im Wald. Noch nicht gepixelt und als NFT hochgeladen, hihihi …

Und ich habe auch den Film gesehen „Ich bin dein Mensch.“ Deutscher Spielfilm von Maria Schrader, 2021, mit Maren Eggert und Dan Stevens.  Noch in der ARD Mediathek. Wikipedia nennt es eine melancholische Komödie. Es geht um die Begegnung einer Frau mit einem humanoiden Roboter. Apropos künstliche Intelligenz. Was machen wir, wenn alle unsere Wünsche erfüllt werden? Am Anfang dachte ich „oh, no!“, aber dann blieb ich doch hängen und nach und nach drängen sich immer mehr Fragen auf. Würde ich einen gut funktionierenden Roboter einem bockigen Menschen vorziehen? Was ist Beziehung? Was ist ein Mensch?  Und und und …

Also, Fazit: Nachdenken. Das führt zwar nirgendwohin, kann aber recht unterhaltsam sein. Ich hoffe, dass ich jetzt wieder mehr dazu komme. Dann gibt’s auch wieder Stoff für diese Seite.

Schlau

„Ihr habt die Uhren, aber wir haben die Zeit.“

Irgendein Taliban. Irgendwann.

Schau

Ach ja, Bild ist fertig.

Ich muss es noch signieren. Und Lolo meint, ich müsse noch die Haare „frisieren“ …

Was mir gefällt:

Und – eine Art spanischer Balkanbeat?