Unkraut im Hirn

Schöner Ausdruck: „Unkraut im Hirn“. Stammt von der Arbeitspsychologin Warga-Hosseini. Das mit dem Vakuum im Kopf stimmt ja nicht. Nichtdenken kann man ja nicht, auch wenn es manchmal den Anschein hat. Unkraut im Kopf ist eher passend. Es schießen Gedanken ins Kraut, die für gar nix gut sind, außer das Vakuum zu kaschieren.

Herren

Warga-Hosseini: „Raus aus der negativen Gedankenspirale! Es wächst sozusagen automatisch Unkraut in unserem Gehirn, wenn wir keine Blumen pflanzen. Es ist daher wichtig, immer wieder neue Gedanken zu tanken, ein paar Seiten in einem Buch lesen, ein Hörbuch anhören. Immer wieder raus ist die Devise.“ (leider habe ich die Quelle vergessen, sorry).

Damen

Ende 2021 hatte die Cosco (China Ocean Shipping Company) bereits Anteile an 15 Häfen in Europa. © afp / Clement Mahoudeau

Hoffnung ist die Überwindung der Verzweiflung. Diesen Satz sagte die französische Philosophin Corine Pelluchon in einem Interview mit der El País am 15.5.22. Gefällt mir.

Dazu schnell noch ein Kalenderspruch:

Wie viel unbefangener man lebt, wenn man sich entscheidet, nicht etwas, sondern jemand zu sein.

Coco Chanel

Musikterror

Ich erinnere mich. In Vor-Walk-man(!)-Zeiten. Busfahrt von Deutschland nach Österreich, zum Skifahren. Ein paar junge Leute, zu denen ich zählte, eher mehr Mittelalterliche und natürlich ein nicht ganz junger Busfahrer. Nachtfahrt? Wieviele Stunden? Gefühlte Ewigkeit. Vor allem, weil der Busfahrer, um sich wachzuhalten, ständig Musik dudeln ließ. Kein Radio, weil sich die Frequenz ja alle paar Kilometer ändert, sondern Kassette. (Ich hoffe, die digital-natives können folgen). Musikkassette. Die Dinger, die sich nach  häufigem Gebrauch (deshalb traf es immer die Lieblingskassette) in ein unentwirrbares Knäuel verwandelt haben. Zum Wegwerfen. Kassetten kann man nachkaufen, aber manchmal hat man sich die Mühe gemacht, Sendungen im Radio „mitzuschneiden“, sprich: aufzunehmen. Und dann war das für immer futsch. So.

Zu dieser Sorte Musikliebhaber gehörten die Busfahrer meist nicht. Sie hatten Billig-Kassetten (warum eigentlich? Waren ihnen ihre Fahrgäste nicht mehr wert?), vielleicht durften sie auch aus rechtlichen Gründen keine Original-Kassetten abspielen – auf jeden Fall handelte es sich fast immer um die scheußlichste Musik, die man sich vorstellen kann (Schlager und Schlimmeres) und nicht etwa in ihrer Originalversion, sondern in billigen Coverversionen. Schlecht nachgesungen, schlecht gespielt, schlecht aufgenommen. Unerträglich.

Die gleiche Leier.

Ich habe eine Nachbarin. Die macht genau das. Sie spielt den ganzen heiteren Tag eine Humptata-Musik, täglich die gleiche, der gleiche Rhythmus, die gleiche miese Coverband, live (!) aufgenommen, mit scheußlichen Ansagen dazwischen. Während die Busfahrer immerhin ein diskretes Säuseln im Bus verursachten (was schlimm genug war, weil man ständig versucht war zu lauschen, um den Song zu erkennen – und das gottseidank mit Erfindung des walk-man ein Ende fand!), dreht meine Nachbarin die Musik bis zum Anschlag auf. Gut, ich hatte schon Nachbarn, die waren Paolo Conte Fans, das hörte man auch durch die Decke, oder spielten live Klavier, je nachdem, aber das hörte sich nach Musik an. Und Paolo Conte – immer gut. Das konnte ich aushalten, hat mich manchmal sogar amüsiert. Und es war nie zu einer Zeit, zu der ich selbst Radio hören wollte oder mich auf einen Text oder sonstwas konzentrieren musste.

DIESE Nachbarin hingegen sucht sich ausgerechnet die Zeit aus (vormittags), in der ich mich am besten konzentrieren kann. Und dann ist es aus. Ich bekomme so einen Zorn, dass ich nicht mehr klar denken kann. Es dröhnt überall, bis in die kleinste Ritze. Ohrstöpsel zwecklos, alles probiert, Kopfhörer. Dann bin ich mit Blümchen vor die Tür der DJ getreten und habe ihr erklärt, dass ich mich konzentrieren müsse und sie bitte, die Musik doch ein wenig leiser zu drehen. „Oh, gut, dass du mir das sagst, ich habe ja auch erst später angefangen, aus Rücksicht auf die Nachbarn, natürlich.“ Sprach’s, drehte die Musik leiser. Erholung. Das hielt genau eine Woche. Dann ging der Terror weiter. Ich leide. Ich gehe wieder hin, klopfe. Ich war schon zweimal wutschnaubend vor der Tür. Sie öffnet mir nicht mehr (vermutlich hört sie das Klingeln nicht wegen der lauten Musik). Ich verzweifele. Ich leide. Ich kann nicht lesen, nicht schreiben, nicht meine eigene Musik hören. Terror total. Stundenlang.

Menschen, die ich frage, was man da machen kann, geben mir kluge Tipps. Andere sagen: „Bei der ist alles zu spät, die ist zu blöd. Die ist so (laut)“ Tja. Meine anderen Nachbarn sagen nichts. Vielleicht finden die das gut. Was tun? Ich könnte mir einen Kopfhörer kaufen, der alle Geräusche unterdrückt. Für 250 Euro oder so. Oder mal eine Wagner-Oper in abartiger Lautstärke erschallen lassen. Oder wie Loriot sagen würde: „Eines Tages bring ich sie um.“
(Achtung Algorithmus: Nicht ernst gemeint)

Das ist Grau

„Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazubekommen
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.“

Heinrich Heine.

Immer wieder gut, Heine. Und nichtmal aus meinem Kalender. Aber natürlich gibt’s noch einen Kalenderspruch:

Ob eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob man eine Maus oder ein Mensch ist.

Max O’Rell. Franzose, seit 1903 tot. Eigentlich Léon Paul Blouet.
Vielen Dank! Habe ich noch gar nicht gewürdigt. Bin begeistert.

Alles geht vorbei …

Give peace a chance

Da fällt mir nichts mehr ein …

Leere

Was schreibt man, wenn das Hirn leer ist?

Gute Frage. Ich würde sagen: nichts. Weil man nur aufschreiben kann, was man vorher gedacht hat. Vielleicht kann das ja bald die künstliche Intelligenz.

Etwas aufzuschreiben ohne es vorher gedacht zu haben, geht (derweil noch) nicht. Aber etwas zu machen ohne nachzudenken, scheint überall gut zu funktionieren. Ich habe jetzt diesen Film, den mir alle ans Herz gelegt haben, (auf Netflix) gesehen: „Don´’t look up“. Regie: Adam McKay, mit Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Cate Blanchett. Eine böse Satire mit feinfühligen Details. Ich habe gelacht, gut gemacht.

Der Schrei im Wald. Noch nicht gepixelt und als NFT hochgeladen, hihihi …

Und ich habe auch den Film gesehen „Ich bin dein Mensch.“ Deutscher Spielfilm von Maria Schrader, 2021, mit Maren Eggert und Dan Stevens.  Noch in der ARD Mediathek. Wikipedia nennt es eine melancholische Komödie. Es geht um die Begegnung einer Frau mit einem humanoiden Roboter. Apropos künstliche Intelligenz. Was machen wir, wenn alle unsere Wünsche erfüllt werden? Am Anfang dachte ich „oh, no!“, aber dann blieb ich doch hängen und nach und nach drängen sich immer mehr Fragen auf. Würde ich einen gut funktionierenden Roboter einem bockigen Menschen vorziehen? Was ist Beziehung? Was ist ein Mensch?  Und und und …

Also, Fazit: Nachdenken. Das führt zwar nirgendwohin, kann aber recht unterhaltsam sein. Ich hoffe, dass ich jetzt wieder mehr dazu komme. Dann gibt’s auch wieder Stoff für diese Seite.

Schlau

„Ihr habt die Uhren, aber wir haben die Zeit.“

Irgendein Taliban. Irgendwann.

Schau

Ach ja, Bild ist fertig.

Ich muss es noch signieren. Und Lolo meint, ich müsse noch die Haare „frisieren“ …

Was mir gefällt:

Und – eine Art spanischer Balkanbeat?

Entspannte Feiertage!

Es ist von unschätzbarem Wert, einen Freund zu haben, der deine Interessen teilt und dir hilft, motiviert zu bleiben.

Maryam Mirzakhani

In diesem Sinne, Freunde und innen, vielen Dank für alles und wir machen weiter mit Geduld. (Heißt: Warten auf einen Blog-Eintrag von mir 😉

Weihnachtsbaum
Frohe Weihnachten!

(Ich werde jetzt mal schauen, wer Maryam Mirzakhani ist …)

Keine Geschichten

Eher so:

Wie herrlich ist es, nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhen.

Heinrich Zille

oder:

Bei Licht besehen, sind Ruhe und Glück überhaupt dasselbe.

Theodor Fontane

Heißt: Ideen und Inspiration gibt es genug, allein es fehlt die Zeit (Muße).

Gelesen

Tatsächlich. Ich habe gelesen. Was mir gefiel:

Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte. Roman.
dtv München, 9. Auflage 2020, © 2014 (Everything I never told you)

Berührendes Buch mit einem genialen Anfang:
„Lydia ist tot. Aber das wissen sie noch nicht. Am 3. Mail 1977 um halb sieben …“
Normalerweise bin ich kein Fan von Famililengeschichten. Hier mache ich eine Ausnahme.

Mal wieder eine geniale Verwendung meines Vornamens. Helga. Klar. Who …

Wo ich sehr gelacht habe:
Linus Reichlin: Señor Herreras blühende Intuition. Roman
Galiani, Berlin 1. Auflage 2021, 270 wunderbare Seiten.
Der Schweizer Autor nimmt so ziemlich alles aufs Korn, was
es gibt. Ein Schriftsteller geht ins Kloster mit einem „Romankonzept“.
Sehr komisch! (Also, sagen wir, für MEINEN Humor).

Für mich faszinierend: so gut wie alles in indirekter Rede geschrieben, keine Dialoge – und trotzdem spannend! Cool. Beispiel, Zitat:

„… haben Sie das Kleingedruckte nicht gelesen? Das steht doch auf der Internetseite, da steht: Übernachtung und Verpflegung und nicht: Mit Zisterzienserinnen strengerer Observanz essen und plaudern und mit ihnen in der Kirche rumsitzen. Nein, sagte ich, das stand da nicht, da stand: Erleben Sie die authentische Klosteratmosphäre, nehmen Sie teil am Klosterleben
Er ging, und ich dachte, er hat recht, es ist meine Schuld, ich hätte mich genauer informieren sollen, nie informiere ich mich genau, in was für Scheißhotels bin ich schon gelandet, weil ich zu faul war, mir die Zimmerfotos anzusehen, jetzt stecke ich in einem Kloster mit Eremitinnen fest!

(Und, super Erkenntnis ;)):
„Wenn es darum ging, produktive Fehler zu machen, konnte ich mich auf mich verlassen.“

Aktuell

Nochwas habe ich gelesen. Und obwohl das Buch schon 1987 zum ersten Mal veröffentlicht wurde (erneut aufgelegt mit einem Vorwort von 2001, kurz nach 9/11), erhellt es doch so einiges zum Thema Afghanistan, das ja plötzlich wieder Aktualität bekommen hat … Wer also will, es liest sich super und man begreift (vielleicht) manches, im Nachhinein.

Doris Lessing: Der wind weht unsere Worte fort. Afghanische Betrachtungen. btb Goldmann Verlag, 1. Auflage Dt. Mai 2002; 191 Seiten.

Es handelt von den Menschen, der Landschaft, dem Leben in Afghanistan und Pakistan, man hat dort mit den MENSCHEN gesprochen, sie gehört, ihre Meinung hören wollen.

Zitat: „Schwerlich kann man den Plan begrüßen, Bodentruppen in dieses Land zu schicken, um gegen Menschen vorzugehen, die im Krieg gelernt haben, halb verhungert zu kämpfen, die immer umhergezogen sind und mit schweren Lasten Berghänge hochklettern können, vor denen selbst eine Ziege zurückschreckt.“

Ach ja, ich kann euch auch sagen, welche Bücher man nicht zu lesen braucht. Und das, obwohl ich Fan von beiden bin: 1. Michel Houellebecq „Lanzarote“ und 2. die Autobiographie von Woody Allen „Ganz nebenbei“. Das erste ist eine seltsame Sexgeschichte, zu der die Süddeutsche Zeitung sagt: „Die traurigste Reisegeschichte der neueren Literatur“, wobei ich fast das Wort „Literatur“ in Frage stellen würde – und das zweite ist ein name-dropping für Fans, die lückenlos wissen wollen, wann Woody Allen mit wem was gemacht hat und warum. Vermutlich für Kenner ein Genuss, für mich anstrengend …

Und sonst noch?

Ja, die Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz ist wieder offen! Zur Eröffnung Eintritt frei – und eine Ausstellung „Hungry for Time“ in der Gemäldegalerie. Wo vorher die ganzen wunderbaren alten Schinken hingen, gibt es jetzt spärlich gestreut die alten Werke in Bezug gesetzt auf aktuelle Arbeiten. Eine ältere Dame äußerte ihren Unmut beim Verlassen der Ausstellung, sie hätten ja mehr kaputt gemacht als renoviert und außerdem … usw. Ebenso enttäuscht waren die (englisch-sprechenden) Touristinnen, die vor dem zugeklappten Triptichon von Hieronymos Bosch (Weltgerichts- oder Weltuntergangs-Triptichon) standen. Man konnte eben nur die Rückseite sehen. Jacobus Major und St. Bavo (habe ich von Wiki), in „Schwarz/Weiß“, haha. Ich weiß nicht, ob sie das Werk auch restauriert haben (ist schließlich von 1485-1505), in Wiki steht: „Durch mehrere Restaurierungen in der Vergangenheit befindet sich das Bild in einem schlechten Erhaltungszustand.“

(Ich fand ja die Ausstellung rechts, (Thicket of Ideas, Thicket of Times) – kein Schreibfehler – interessanter) …

Gechippt

Vor drei Tagen haben sie mir einen Mikrochip eingepflanzt. Bill Gates, glaube ich. Sie wollen mich kontrollieren. Wollen die Weltherrschaft an sich reißen und Impfstoffe verkaufen. Ich weiß nicht genau, wer da aller mitmischt. Clinton auch. Habe ich gehört.

Ich kann nicht verstehen, warum so viele Menschen das Offensichtliche nicht erkennen: dass wir manipuliert werden, dass man uns verarscht, dass die mainstream-Medien lauter fake-news erzählen. Wer sich an die richtigen Quellen in den social media wendet, merkt ganz schnell, woher der Wind weht. Der Professor Bhakdi hat´s doch gesagt! (Oder hieß der Bhattacharya – kompliziert.) Aber sie wollen es nicht anders. Lassen sich impfen wie die Lemminge, weil das der Staat so will. Was wirklich dahinter steckt, wird erfolgreich verschleiert.

Ich muss gestehen: Ich habe den Impfterrorismus mitgemacht. Mit AstraZeneca. Weil ich meine Freiheit zurück will. Ich will verreisen. Ich will im Restaurant sitzen. Auch mal ins Konzert gehen. Ich will mich nicht dauernd testen lassen. Wer weiß, was sie einem da durch die Nase einführen! Und schon gar nicht ewig diese vergiftende Maske aufhaben. Ich will aber auch kein Einsiedler werden. Dieser Druck, dieser Zwang – das ist doch keine Demokratie! Das ist reiner Terrorismus. Wir wollen unsere Entscheidungsfreiheit wieder haben. Da war´s ja in der DDR besser.

(nicht von mir, von C.laudia)

Im Grunde glaube ich, dass man sich gar nicht impfen lassen braucht – zumindest nicht gegen das Corona-Virus. Das ist ja nur wie eine Grippe. Alles Täuschung. Der wahre Verursacher von Covid sind doch die Strahlen. Das 5G-Netz. Ein Freund hat schon das neueste 5G-Handy. Ich kann das nicht verstehen. Seitdem meide ich seine Gesellschaft. Ich will da nicht in die Nähe kommen. Schwächt das Immunsystem. Wer weiß, ob das nicht auch ansteckt. Und alles nur, weil sie uns fernsteuern wollen. Kein Wunder, wenn´s uns dann schlecht geht.

Eine Freundin hat mir erzählt, eine Bekannte von ihr wurde am Freitag geimpft und war am Montag tot. Ich merke, wie ich komplett antriebslos bin und einfach nur schlapp. Mir ist schwindlig und die Kopfschmerzen wollen einfach nicht weggehen. Ich werde doch nicht auch so eine Thrombose haben? So eine, die ins Hirn geht? Gerade bei Frauen ist das ja so. Soll ich zum Arzt gehen? Aber das ist ja auch nicht so einfach dranzukommen. Wegen der ganzen Hysterie. Mit der sie einen Haufen Geld verdienen. Masken. Impfung. Schutzkleidung und so …

Vielleicht schaue ich mal nach. Bei Facebook. Oder in der Telegram-Gruppe. Da frage ich einfach mal, ob jemand was weiß …

ZP/August 2021

Zur richtigen Einordnung kann man mal nachlesen (unter anderem):
https://de.wikipedia.org/wiki/Falschinformationen_zur_COVID-19-Pandemie

Ihr merkt, ich experimentiere mit Perspektivwechseln. Erzählerwechsel.
Alles nur Übungen.

Gleich zur Aufmunterung ein bisschen kanarische Musik.
Zwischen Süd-/Lateinamerika und Spanien mischt sich alles …

Und gleich nochwas, weil´s so schön ist.

Der eingeblendete Text lautet in etwa:
Wenn Arbeiten gesund ist, dann sollen doch die Kranken arbeiten.

Sehnsucht???

Wie sagte schon Sokrates: Muße ist der schönste Besitz von allen.

Und ja, man kann Bilder auch mal anders aufhängen.

COVID GEBURTSTAG.

IRGENDWANN IM MAI.

So hatte ich mir meinen runden Geburtstag nicht vorgestellt. Fern der Heimat (England), mitten in einer merkwürdigen Runde seltsamer Menschen in Spanien.
Ich habe meinen Lebenspartner, einen Gomero, geheiratet. Wegen des Brexit. Sonst hätte ich nie geheiratet. Aus Prinzip nicht. Lieben kann man ja wen man will. Zumindest in unseren Breiten. Noch. Und jetzt Pandemie. Ein-/Ausreiseverbot. Verhaftet auf La Gomera, einer kleinen Atlantik-Insel.

Gefeiert wird bei der Schwiegermutter im Hof. Heißt: man kann draußen sitzen, im Gegensatz zur britischen Insel, wo es regnet. Im Gegensatz zu anderen Flecken der Erde, sind hier, auf La Gomera, Treffen (im Freien) mit maximal zehn Personen erlaubt. Woanders sitzen die Menschen zuhause vor dem Fernseher und hören/sehen schlechte Nachrichten und jonglieren mit Ziffern. Also, soviel zum Positiven.

Die kleine Insel hat rund 20.000 Einwohner, davon leben ca. 8.000 in der Hauptstadt, der Rest verteilt sich auf kleinere Gemeinden, verstreut über die Insel. Wir sind hier im Nordosten, in einem kleinen Dorf, in dem, wenn wir es gut meinen, noch ca. 400 Menschen wohnen. Freizeitbauern, Arbeitslose, drei Kneipenwirte, viele (sehr) Alte und ein paar Verlaufene. Als Ausländer und Teilzeitbewohner kenne ich (noch) nicht alle. Wen also einladen zu meinem 40er?

Die Einladung der restlichen Gäste – zieht man mich, meinen Mann, seine Mutter und den Bruder ab, bleiben noch sechs! – übernimmt mein mir soeben angetrauter Ehemann. Er nennt mich übrigens liebevoll Johnny, die anderen John.

Ich erwarte also freudig die Gäste im großzügig angelegten Hof der Schwiegermutter. Derweil skype ich mit meiner Mutter in England. Natürlich auf Englisch. Das verstehen nicht alle, die Hiesigen sprechen meist nur spanisch. Meine Mutter sieht ein wenig zerzaust aus, am Display. Besorgt. Die Arme. Sie getraut sich nicht aus dem Haus. Haben wir´s gut!

Wie hätte ich denn ohne das Virus meinen Geburtstag gefeiert? Unter „normalen“ Umständen? (Und was ist/war schon normal). Mit hundert Leuten in einem Pub? Mit einer krachenden Party? Habe ich überhaupt darüber nachgedacht?

Der Tisch ist gedeckt. Schinken, Käse, Avocado, Almogrote, Brot. Bis alle Eingeladenen eingetroffen sind, vergeht geraume Zeit. Schließlich sitzen alle an der Tafel: meine Schwiegermutter Inma und zwei ihrer Söhne, Roberto und Alejandro, so heißt mein Mann, sein Jugendfreund Mon, die venezolanische Mieterin Irene mit ihrer adoleszenten Tochter, die dicke Maria und zwei deutsche Frauen, die im Dorf wohnen. Petra und Inge. Und natürlich ich, John. Genau zehn Personen.

Auf der unteren Terrasse steht mein Schwager am Feuer und achtet darauf, dass die Paella auf dem Grill nicht verkohlt. Vegetarische Paella. Wir sind Vegetarier, ungewöhnlich genug für die Insel, auf der es vor allem Fleisch mit Kartoffeln gibt. Die Hunde, die unten bleiben müssen, stellen sich von Zeit zu Zeit auf die Hinterpfoten, um Einlass zu erbitten. Vergeblich. Die Party beginnt. Jeder bekommt sein Getränk. Süßen Wein, trockenen Wein, rot oder weiß, Cava, Bier, Limo. Je nachdem. Das Essen startet.

Dazu läuft Musik. Man soll merken, dass gefeiert wird. Wie lange darf man denn? Bis um 22 Uhr oder 0 Uhr? Es wird unübersichtlich mit den Corona-Maßnahmen. Also, jetzt ist es noch früh genug. Ich blicke in die Runde. Neben mir sitzt Alejandro. Ich liebe ihn. Er schreibt. Er schreibt richtig gut. Ist eher schüchtern und zurückhaltend. Dann sitzt da die dicke Maria. Sie ist depressiv. Das weiß jeder. Und sie besteht darauf. So richtig weiß ich nicht, wie der Zusammenhang ist – vermutlich eine Freundin meiner Schwiegermutter, die den Vorsitz am Tischende hat. Diese wiederum ist eine „lustige Witwe“. Tragisch, der frühe Tod ihres Mannes, des Vaters meines Ehemanns. Dabei ist sie so lebenslustig. Wenn man sie „lässt“. Sie sprüht vor Energie und würde am liebsten lossingen. Was sage ich: kreischen. Roberto, ihr zweiter Sohn (es gibt noch einen dritten, der ist nicht da), versucht sich aus dem Szenario herauszuhalten, was ihm aber nicht immer gelingt. Er muss nur motiviert werden. Dann ist da noch der ewige Schulfreund aus Kinder-/Jugendzeiten: Mon. Auch schwul. Geschäftsmann, geachtet im Dorf – und ein ganz spezielles Talent. Ein Original. Er ist Animator und Einheizer. Es gibt Karaoke, später. Nach dem Essen. Da freue ich mich schon drauf. Fehlt noch Irene und ihre Tochter. Sie mussten aus Venezuela weg, wie so viele, sind hier gelandet mit nichts. Ein harter Schlag, alles zu verlassen, Haus, Autos, Tiere, Land … und dann auf diese rückständige Insel zu geraten. Das kann schonmal am Selbstbewusstsein nagen. Gut, dass Irene genug davon hat. Selbst ihre Tochter taut langsam auf. Wenigstens beim Tanzen und Karaokesingen.

Und dann sind da noch die beiden deutschen Frauen. Petra, manchmal ein wenig vorlaut, gibt ein paar Anekdoten zum Besten – und Inge, der Neuzugang im Dorf, probiert ihr nach und nach erobertes Spanisch aus. Alle hören freundlich zu.

Es wird gegessen, bis es nicht mehr geht. Wir kämpfen uns durch alle Speisen, die Paella ist wirklich sehr gut gelungen und geschmackvoll. Die meisten von uns haben in Corona-Zeiten ziemlich zugelegt. Weil sie in Spanien nicht rausdurften. Nichtmal zum Spazierengehen. „Confinamiento“. Das hängt sich an, wenn man zu zweit daheim verhaftet ist und Kochen eine Leidenschaft.

Als Krönung die Geburtstagstorte. Bestellt man auf der Insel eine Geburtstagstorte, bekommt man ein übersüße und mit reichlich Zuckerzeug bunt dekorierte Cremetorte. Als wäre noch heute das wichtigste Nahrungsmittel der Zucker (früher dessen Export, später Import). Für übrige „Europäer“ nicht nachvollziehbar, geschweige denn essbar. Deshalb sind wir gestern extra eine dreiviertel Stunde zu dieser – eigentlich wirklich guten – Konditorei gefahren und haben eine Erdbeertorte bestellt. Etwas Leichtes, Frisches, keine Bombe. Ich sagte, vor allem Erdbeeren – und nur Sahne, keine Creme. Jetzt stand das zweistöckige Kunstwerk auf dem Tisch. Anschneiden. Äußerlich war noch keine Erdbeere zu sehen, vermutlich sind diese alle innen versteckt. Ich schneide an. Keine Erdbeere weit und breit. Wir probieren. Sahne. Und ein wenig Teig. Und, wenn man ganz feinfühlig ist, spürt man ein wenig Erdbeeraroma heraus. Das ist aber nur für die ganz Sensiblen unter uns. Der Sahnehaufen ist ungenießbar. Ich entschuldige mich schließlich dafür, dass ich so einen Schrott gekauft habe. Peinlich.

Gottseidank hat eins der deutschen Mädels einen klassischen Käsekuchen mitgebracht. So ist zumindest die Nachspeise gerettet.

Jetzt muss das Angegessene wieder abgetanzt werden. Musik wird aufgedreht, quer durch den Gemüsegarten. Mon spielt den Entertainer, die Gomeros sind vorne dran mit Karaoke. Es werden verschiedene Kracher ausgesucht, lustig. Alle singen nach Herzenslust. Laut. Ob falsch oder richtig, stört keinen. Mit Inbrunst. Manche, meinen Schwager und die Kleine, müssen erst ein wenig bekniet werden, andere springen voller Freude auf die improvisierte Tanzfläche bzw. Sangesbühne. Die deutschen Damen finden einen gemeinsamen Nenner und geben ihr Bestes zu „Pretty Woman“, Roy Orbison.

Mich freut´s. Alle sind lustig und fröhlich. Es wird laut gelacht. Was will man mehr? Worum geht´s eigentlich im Leben? Eine schöne Zeit zu verbringen, sich zu amüsieren. Das habe ich heute getan. An meinem 40er. Wegen der Ausgangssperre endet die Feier frühzeitig. Dann bleibt mir ja noch die Nacht …
Und die Moral von der Geschicht: Unterschätze die Gomeros nicht …

ZP Mai, Juli 2021

Ab in den Dschungel!

In einem Artikel (El País, 11.7.21) habe ich ein Interview mit dem „Pflanzen-Neurobiologen“ Stefano Mancuso gelesen. Der berichtet von einem Experiment aus Norwegen. Dort hat man über zwei Jahre hinweg einen Vergleich in zwei Schulklassen gemacht. In einer Klasse war alles voll mit Pflanzen. In der anderen stand keine einzige. Am Ende stellte sich heraus, dass die Noten in der Klasse mit den Pflanzen um 30% besser waren, um 45% weniger krank wurden, sich die SchülerInnen untereinander besser verstanden und es kein bullying gab. Also, ab in den Dschungel!

DANKE!

Lesen.

Ich, mal wieder sehr hintennach, habe einen Roman von Uwe Timm gelesen. Fast hätte ich gesagt: ein sympathisches, liebenswertes Buch. Johannisnacht, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1. Auflage 1996.
Ich gebe zu, ein wenig spät – schließlich ist es „kurz“ nach der Wende geschrieben und handelt von kuriosen Begebenheiten in Berlin, aber es ist nach wie vor informativ wie unterhaltsam.

Ein Dialogbeispiel, Seite 42, Zitat:
Die DDR ist, sagte Rosenow und lehnte sich zurück, an der Unfreundlichkeit der Kellner kaputtgegangen.
Was?
Ja, sagte er, an der allgemeinen Unfreundlichkeit. Wenn man eine Mangelgesellschaft hat, dann muss man etwas ganz anderes liefern, mehr Freundlichkeit, mehr Freiheiten, auch für abweichende Sexualpraktiken, und mehr Muße, aber Muße mit gutem Gewissen.

Zitat Ende.
Im Buch fallen die Anführungszeichen bei Dialogen weg, ich habe das ß in zwei ss verwandelt (sorry, konnte nicht anders).

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

Benjamin Franklin

Ich werfe das Handtuch (natürlich nicht)

Bescheidenheit?

Wenn man Gäste hat (zumindest solche, die nicht mehr ganz jung sind), die über Nacht bleiben und man ein Handtuch anbietet, kommt häufig die Antwort: „Ich brauche nur ein kleines!“ Wieso eigentlich? Welche Art der Bescheidenheit ist das? Ich werfe ein kleines genauso in die Waschmaschine wie ein großes und es verbrauchen beide vermutlich genausoviel Waschpulver wie Strom.
Wenn ich eingeladen bin, bevorzuge ich ein großes Handtuch. Man kann sich nach dem Duschen nicht in ein kleines Handtuch einhüllen. Es kommt mir immer vor, als würde ich mich mit einem Waschlappen abtrocknen. Mich stört es, wenn mir Leute ein „kleines Handtuch“ rauslegen, weil sie glauben, das genüge ja um sich abzutrocken. Nein! Genügt nicht. Ich will ein großes. Duschtuch. So groß, dass man es zumindest einmal um sich herumwickeln kann, wenn man aus der Dusche steigt. Und nicht einen Fetzen, der hinten und vorne nicht reicht. (Vom Haarewaschen rede ich nicht). Think big.

Foto: C.laudia


„Das ganze Unglück in dieser Welt ist, dass die Dummen so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel sind.“
Bertrand Russel

Hat angeblich Marc Zuckerberg gesagt: „done is better than perfect“

nicht von mir …

Wie wahr:
„Für angenehme Erinnerungen muss man im Voraus sorgen.“
Paul Hörbiger

Irgendwo habe ich das gelesen:

„Und je weniger die Menschen vom Leben verstehen, umso mehr coaches gibt es. Je mehr Umweltlabels es gibt, umso mehr Schaden richten wir an. Auch wenn die Hälfe bei European Songcontest braun oder schwarz war und das Motto „diversity“ heißt, umso uniformer denken die Menschen und umso weiter entfernt sich dieses Label von der Realität.“

Ich schaue Nachrichten über die Mediathek. Und dann laufen die ersten Minuten und ich bin mir nicht mehr sicher, ob das nicht vielleicht die Nachrichten von gestern sind, die ich schon gesehen habe. Falsch geklickt? Dann schaue ich nach – und stelle fest: nein, das sind die aktuellen vom Tage.

Spinne ich oder bekommen wir jeden Tag das gleiche serviert und ständig die gleichen Bilder gezeigt: Oberarme, in die eine Spritze fährt?
Man müsste mal zählen, wieviele solcher Oberarme ich in den letzten Monaten ins Hirn gepresst bekommen habe.
Gut, dazwischen ein bisschen Gaza, ein paar Bomben, ein paar Tote …
(Der Text ist vom letzten Monat)